Publizierter Abstract
Wassermanagement war eine Voraussetzung für dauerhafte landwirtschaftliche Produktion in den semiariden Regionen Zentralasiens. Ravat im Südwesten Kirgisistans besitzt ein aufgegebenes, gut erhaltenes Bewässerungssystem mittlerer Größe. Mit Fernerkundung, UAV-Dokumentation, Feldbegehung, geoarchäologischer Beprobung und GIS-Analyse wurden ein zentraler Tepe mit monumentalem Lehmziegelbau, mehr als 25 km Kanäle unterschiedlicher Größe, über 90 Felder auf 60 ha und 45 in das Kanalsystem integrierte Hofareale identifiziert.
Das heutige Ravat nimmt den zentralen Teil dieser Landschaft ein und überlagert wahrscheinlich den Kern einer älteren Siedlung. Die erhaltene Agrarstruktur wird vorläufig dem weiteren Davan/Dayuan-Horizont zwischen dem 5. Jahrhundert v. Chr. und dem 6. Jahrhundert n. Chr. zugeordnet. Prähistorische Felder wurden wiederholt gepflegt, reaktiviert und lokal neu organisiert.
Bodeneigenschaften weisen auf langfristige spezifische Düngung hin, möglicherweise durch Asche in Verbindung mit zeitweiliger Nutzung der Felder als Tiergehege und damit Düngung durch Exkremente. Nach dem Ende des primären Davan/Dayuan-Horizonts könnten Teile der Landschaft in kleinerem Maßstab weiter genutzt oder reaktiviert worden sein. Radiokarbondaten ausgewählter Befunde zeigen spätere Aktivitäten, möglicherweise auch in der Kokand-Zeit. Die Aufgabe spricht für eine schrittweise Transformation statt eines plötzlichen Zusammenbruchs.
Böden aus der Sowchos-Zeit und moderne Felder unterscheiden sich deutlich von prähistorischen Böden. Böden der Sowchos-Zeit spiegeln außerdem Störungen durch das Umpflügen von Grabhügeln innerhalb des ehemaligen Feldsystems sowie den Einsatz von mit Dolomit gemischtem Salpeterdünger wider, der aus Flugzeugen ausgebracht wurde. Das pedologische Archiv moderner Felder zeigt reinen Salpeterdünger, der bodennah auf Flächen ausgebracht wurde, die in prähistorischer Zeit nicht bewirtschaftet waren.